15.05.2020 | Ein Corona-Märchen

Aktuell gibt es wahrscheinlich niemanden, der nicht von Corona betroffen ist. Einige mehr, andere weniger, aber irgendwie muss sich gerade jeder auf die Situation einstellen. Dass die Tourismusbranche einer von denjenigen Wirtschaftszweigen ist, die besonders leiden, wird in verschiedenen deutschlandweiten Demonstrationen kundgetan. Passiert ist bislang wenig. Warum? Wahrscheinlich, weil  nur wenige wirklich verstehen, was Tourismus alles bedeutet: Für uns als Reiseveranstalter, für die Wirtschaft, für die Mitarbeiter ... eben für die Gesellschaft. Kommen Sie mit uns auf ein Gedankenspiel und erfahren Sie, was uns aktuell bewegt und antreibt und warum wir immer wieder auf die Straße gehen (müssen).

Ein Gedankenspiel: Das Märchen vom Autobauer

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein deutscher Autobauer. Die Auftragslage war gut und er konnte auf eine vielversprechende Verkaufssaison blicken. So hat er seine Mitarbeiter (und Maschinen) schon mal 10.000 Autos bauen lassen – alle konfiguriert nach Kundenwünschen. Die Zulieferer hatten Just in time geliefert. Alles lief nach Plan. Die Auslieferung stand vor der Tür. Doch dann passierte etwas, was sich der Autobauer samt aller Mitarbeiter nie im Leben hat träumen lassen. Er durfte von heute auf morgen keine Autos mehr ausliefern…
Ein (deutsches) Auto

 

Und es kam noch schlimmer: Der Autobauer durfte aufgrund höherer Gewalt und staatlicher Anordnung seine Autos gar nicht mehr verkaufen. Er sollte sie verschrotten. Einige der Zulieferer nahmen ihre Teile zurück und erstatteten die Kosten vollständig oder in Teilen. Andere (vor allem die Aktiengesellschaften) sahen sich im Recht und bestanden auf 100%ige Bezahlung. Das traf den Autobauer stark, denn jetzt mussten seine Mitarbeiter die Autos zurückbauen. Er hatte also nicht nur für die Herstellung, sondern auch für den Rückbau hohe Personalkosten.

Kein Wunder also, dass der Autobauer verzweifelte!

Was Sie hier vermutlich als Fiktion wahrnehmen, ist derzeit die bittere Realität der Reiseveranstalter, Reisebüros und tausender Beschäftigter im Tourismus. Wir würden die Geschichte gern mit einem schönen Ende abschließen, aber aktuell wissen wir nicht, wie dieses aussehen sollte.

Realität vs. Märchen

Die meisten unserer Gäste fahren zwischen Ostern und Oktober in den Urlaub und lassen sich von uns Fahrrad- oder Wanderreisen, Weinreisen und Erlebnisreisen organisieren. „Reisen – so individuell wie Sie“ ist unser Slogan. Es macht uns viel Freude, Ihren Urlaub maßzuschneidern. Als Reiseveranstalter bündeln wir Leistungen verschiedener Partner und stellen für Sie ein neues Reiseerlebnis zusammen. Zu unserer Arbeit gehören – neben der VermarktungIdeenentwicklungen und Recherchen sowie eine detaillierte Organisation. Zum Zeitpunkt der eigentlichen Reise ist ein Großteil unserer Arbeit getan.

Ein Märchen, das auf wahren Begebenheiten beruht...

Aufgrund der Pandemie sind Mitte März 2020 innerhalb von fünf Tagen sämtliche Geschäftsbereiche von AugustusTours weggebrochen. Nachbarländer schlossen ihre Grenzen, Großveranstaltungen wurden abgesagt, internationale Reisewarnungen versperrten unseren ausländischen Gästen die Einreise, Kontakt- und Ausgangssperren wurden verhängt. Das hat uns sehr hart getroffen und die Auswirkungen sind für uns weit bis ins Jahr 2021 (oder sogar länger) sichtbar.

Wir verstehen die getroffenen Maßnahmen und unterstützen diese gern, um Menschenleben zu retten. Gleichzeitig machen wir im Moment zusammen mit hunderttausenden Kolleginnen und Kollegen aus der Reisebranche auf uns und unsere Situation aufmerksam, um nicht vergessen zu werden. Von Krediten allein lässt sich ein Totalverlust nicht bewältigen!

Die als Verbraucherschutz gedachte und gut wirksame Pauschalreiserichtlinie verpflichtet uns, im Fall einer durch uns ausgesprochenen Stornierung geleistete Kundenzahlungen zu erstatten unabhängig davon, ob wir gegenüber Partnern bereits Zahlungen leisten mussten. Für uns als Reiseveranstalter und Berater bedeutet das außerdem keinerlei Entlohnung für bereits geleistete Arbeit und weiteren Aufwand für Stornierungen und Umbuchungen.
Anke Herrmann, Inhaberin von AugustusTours auf Demonstration der Reisebranche
Ein ganz herzliches Dankeschön geht an all diejenigen, die ihre 10%-ige Anzahlung als Bezahlung für unsere Arbeit sehen und all denen, die sich die Anzahlung als Gutschein für die nächste Reise ausstellen lassen. Mein ganzes Team freut sich sehr, dass es für den Tourismus in den kommenden Tagen deutschlandweit Lockerungen geben wird.

Wir freuen uns, Ihre Reise zu organisieren und Sie zusammen mit unseren Leistungspartnern als unsere gemeinsamen Gäste in Zukunft (wieder) zu begrüßen. 

Das Team von AugustusTours aktiv reisen

Bildquellen:© AugustusTours, © Robert Michalk Photography