Reisebericht aus dem Havelland

Flussradwege erfreuen sich als wichtigste Destinationen im Radtourismus nach wie vor steigender Beliebtheit. Dabei gilt der schlösser- und seenreiche Havel-Radweg unter den Radreisenden als Geheimtipp. Seit 2009 begleitet der Havel-Radweg den längsten Zufluss der Elbe, die Havel, von ihrer Quelle nahe der Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte bis zu ihrer Mündung in die Elbe vor Wittenberge. Dabei durchfließt die Havel zahlreiche kleinere und größere Seen, wobei ihr Flussbett zusehends an Breite gewinnt.

radfahrer im havelland am havelradweg c atDer Havel-Radweg führt Sie sowohl über flache, überwiegend asphaltierte Strecken entlang des Wassers als auch durch schattige Waldgebiete. Es erwarten Sie preußisches Kulturerbe, eine einzigartig unberührte Landschaft und die Havel, ein Fluss, der zahlreiche kleine und große Seen wie Perlen auf einer Kette aufreiht. Die Potsdamer Schlösser, Gärten und Parkanlagen bereichern Ihre Radreise ebenso wie die Blütenstadt Werder und die sehenswerten Städte Brandenburg, Rathenow, Havelberg und Wittenberge.

Tipp: Die imposanten Wehranlagen entlang des künstlich angelegten Havelabflusses in die Elbe bei Gnevsdorf dienen dem Hochwasserschutz, sichern die Ernte und sorgen entsprechend für mückenarmes Radfahren.

Reisebericht zur Radtour an der Havel und durch das Havelland

von Verena Riedel, Mitarbeiterin von AugustusTours

verena riedel im trojanischen pferd am havelradweg c atÜber die Pfingstfeiertage begab sich die AugustusTours Mitarbeiterin Verena Riedel auf Streckenbefahrung durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Auf ihrer neuntägigen Radreise wurden nicht nur die Radwege getestet sondern auch die landschaftlichen und kulturellen Höhepunkte besichtigt sowie die Beherbergungspartner besucht. Dabei wurden die Tagesetappen, die den Radreisegästen normalerweise angeboten werden, teilweise verlängert, um im vorgegebenen Zeitraum fast den gesamten Flussradweg befahren zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in das Reiseangebot und die Reiseunterlagen aufgenommen und bieten den Gästen somit Wissen aus erster Hand.

Bereits der erste Abschnitt der Radreise von Waren (Müritz) nach Neustrelitz begeisterte die Mitarbeiterin. In Ankershagen können "Wagemutige oder ewig Junggebliebene" – wie ich – das Trojanische Pferd besteigen. Mit neuem Fachwissen und Tatendrang auf dem Gepäckträger gelangte Verena Riedel am 21.05.2013 zurück nach Dresden und freut sich nun darauf, weitere Radreisende für den reizvollen Havel-Radweg begeistern zu können.

AugustusTours Mitarbeiterin erkundet den Havel-Radweg

Landschaft an der Havel1. Tag: Waren (Müritz) – Neustrelitz (ca. 68 km)
Der erste Streckenabschnitt des Havel-Radwegs geht von Waren durch den Müritz Nationalpark mit seinen zahlreichen Seen. Besuchen Sie Warens historischen Stadtkern und das "Müritzeum" mit Deutschlands größtem Süßwasseraquarium, wo Sie heimische Fische beobachten können. Auf gut asphaltierten Radwegen und Fahrradstraßen fuhr ich dann durch die leicht hügelige Landschaft nach Ankershagen, der Heimat vom berühmten Archäologen Heinrich Schliemann, dem Entdecker von Troja. "Wagemutige oder ewig Junggebliebene" können hier sogar das Trojanische Pferd besteigen, was ich auch sofort machte.

verena riedel im riesenstuhl am havelland radwegKurz nach Ankershagen, lohnt der etwa 600 m lange Abstecher zur Quelle der Havel. Immer wieder gibt es Möglichkeiten einzukehren oder bei einem einheimischen Fischereibetrieb Stopp zu machen. In Kratzeburg stärkte ich mich zur Mittagszeit mit frisch gefangener Lachsforelle – lecker. Schließlich erreichte ich Neustrelitz, die frühere Residenzstadt am Zierker See mit der denkmalgeschützten Altstadt, dem Schlossgarten und der Orangerie. Hätten Sie gewusst, dass die im 18. Jahrhundert in Afrika entdeckte Strelitzie nach der Prinzessin Sophie Charlotte benannt wurde, die aus dem Herzogshaus Mecklenburg-Strelitz stammte und spätere Königin von England war.

2. Tag: Neustrelitz – Fürstenberg und Ausflug nach Neuglobsow (ca. 64 km)
Nachdem ich die barocke Planstadt Neustrelitz in Richtung Süden verließ, ging es auf leicht hügligen Wegen über die Landesgrenze nach Brandenburg durch ausgedehnte Wälder vorbei an zahlreichen idyllischen Seen, die eine angenehme Abkühlung garantieren. Über Wesenberg, das mit seinem liebevoll sanierten Marktplatz, dem Hafen und der Burg ebenso wie mit der gotischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert zum Verweilen einlädt, ging es nach Fürstenberg.

Kurz das Gepäck im Hotel abladen und schon zog ich weiter nach Neuglobsow über den Radweg Berlin-Kopenhagen. Nach einigen Auf und Abs erreichte ich den Ort am klarsten und tiefsten See Brandenburgs, dem Stechlin. Bei ca. 18°C sprangen kühne Mädchen in den See. Nach einer leckeren Spargelcremesuppe im Restaurant Luisenhof ging es zurück nach Fürstenberg, wo ich noch zu Fuß und per Rad die Stadt mit dem barocken Schloss, wo leider nur der Mittelteil bereits saniert ist, erkundete.

3. Tag: Fürstenberg – Oranienburg (ca. 77 km)
Auf dem Abschnitt von Fürstenberg nach Oranienburg passierte ich die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Der Havel-Radweg führt Sie weiter durch die einzigartige "Tonstichlandschaft" des wichtigsten Ziegelproduktionsgebiets in Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Zehdenick. Es empfiehlt sich der Besuch des romantisch auf einer Halbinsel an der Havel gelegenen Schlosses und der noch erhaltenen Gebäude des früheren Zisterzienserinnenklosters.

Am Voss-Kanal ging die Radtour über Liebenwalde nach Oranienburg, der Stadt im Norden von Berlin. Das Wetter spielte leider an dem Tag nicht mit. Beim dritten Mal Regenkleidung anziehen, war ich schon geübt. Tropfend erreichte ich das Hotel und nach einer warmen Dusche ging es dann trockenen Fußes zum Schloss Oranienburg. Sogar die Sonne ließ sich noch abends blicken. Hier können Sie wie einst die holländische Prinzessin Louise Henriette von Nassau-Oranien, die dem Ort ihren Namen gab, im Oranienburger Schlosspark (gegen Eintritt) verweilen.

4. Tag: Oranienburg – Potsdam (ca. 60 km)
Mit dem Fahrrad auf Erkundungstour im Holländerviertel in Potsdam.Über die Uferpromenade führte mich der Radweg von Oranienburg, der Stadt am Lehnitzsee, nach Berlin-Spandau mit seiner schönen Altstadt und der Zitadelle, ein Zeugnis der Festungskunst der Hochrenaissance. Nun endlich fuhr man neben der Havel entlang, wobei diese immer wieder durch die unendlich aneinanderreihenden Seen im weiteren Verlauf sich gut zu verstecken weiß. Nach einem Spaziergang durch die Altstadt von Spandau und einem wohlklingenden Glockenspiel ging es weiter nach Kladow und ein Wettkampf gegen der Zeit folgte.

Nur einmal stündlich verkehrt die Fähre über den Wannsee und die wollte ich erreichen. Falls es misslungen wäre, können Sie sich auch aber die Zeit in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants vertreiben, die sich am Fähranleger befinden. Über die Glienicker Brücke erreichte ich Potsdam, die Landeshauptstadt von Brandenburg. Sollten Sie, wie ich, an diesem Tag zwei Etappen zusammengeführt haben, ist unbedingt eine Zusatznacht in Potsdam empfehlenswert. Nachdem ich schon an den Tagen zuvor vom Befall des Eichenprozessionsspinners in den Wäldern am Wegesrand "gewarnt" worden bin, hatte ich in Potsdam großes Pech. Leider waren hier die Parks und Schlösser aufgrund der Bekämpfung an diesem Tag gesperrt. In einem der zahlreichen Restaurants im Holländerviertel ließ ich den Tag ausklingen.

5. Tag: Potsdam – Brandenburg (ca. 60 km)
Früh am Morgen ging es in den Park Sanssouci bei einer herrlichen Einsamkeit konnte ich das Schloss und die Anlage genießen. Entlang der idyllischen Uferpromenade des Templiner Sees als Teil einer regelrechten Seenkette, ging es vorrangig durch Wald in Richtung der Inselstadt Werder. Für diesen staatlich anerkannten Erholungsort, der für sein jährliches Baumblütenfest Anfang Mai bekannt ist, lohnt es sich, ausreichend Zeit einzuplanen. Besuchen Sie die Heilig-Geist-Kirche, die Bockwindmühle oder das Obstbaumuseum auf der Inselaltstadt. Sie sollten sich noch einmal stärken oder mit einem Lunchpaket eindecken, bevor es über offenes Land auf Deichwegen in die Stadt Brandenburg geht.

Die Innenstadt von Brandenburg an der Havel verteilt sich auf mehrere Inseln und Halbinseln, auf denen es das Altstädtische Rathaus mit dem Roland der Stadt, das Domstift Brandenburg und die Überbleibsel der mittelalterlichen Brandenburger Stadtmauer zu erkunden gilt. Lassen Sie zum Ausklang des Tages die Seele in der ältesten Stadt Brandenburgs bei einem Spaziergang durch die europaweit einzige Sumpfzypressenallee am Grillendamm baumeln.

6. Tag: Brandenburg – Rathenow (ca. 50 km)
Impression während der Radtour am Havel-Radweg
Packen Sie Ihre Badesachen ein! Auf dem Abschnitt von Brandenburg in die Optikstadt Rathenow fahren Sie mit dem Fahrrad durch das Seengebiet nordöstlich der Stadt Brandenburg. Es lockt das blaue Wasser des Breitlingsees und des Plauer Sees zu einem Bad im kühlen Nass. Über Plaue führt der Havel-Radweg weiter nach Pritzerbe.

Per Fähre erreichte ich Kützkow und kurz darauf das Künstlerdorf Bahnitz. An der neu angelegten Uferanlage mit Nixe und im Sonnenschein schmeckte das Brötchen und die Knacker noch besser. Weiter gelangen Sie auf Ihrer Radtour nach Premnitz, dessen mit Kunstobjekten gestaltete Uferpromenade Ihnen einen herrlichen Blick über die Havelniederung bietet, und erreichen Rathenow, das ehemalige Zentrum der optischen Industrie.

Schlendern Sie durch den Optikpark und entspannen Sie sich bei einem Kaffee zwischen Rosen, Rhododendron und dem weltweit größten, funktionstüchtigen Brachymedial-Fernrohr. Versäumen Sie auch nicht den Turm der ehemaligen Mühle zu besteigen. Über fünf Etagen erstreckt sich das kleine Museum und von oben haben Sie einen wunderschönen Ausblick auf Stadt und Umgebung.

7. Tag: Rundtour durch das Westhavelland (ca. 80 km)
Am heutigen Tag wollte ich die verschiedenen Möglichkeiten testen, um nach Havelberg zu kommen. Über die beschilderte Tour Brandenburg ging es nach Garzer Mühle, wo sich beide Varianten treffen. Um den Hohennauener See herum und weiter auf Deichwegen fuhr ich nach Stölln, dem Geburtsort Otto Lilienthals.

Schon von Weitem sah ich die große Interflug-Maschine "Lady Agnes" auf dem Gollenberg, die heute ein Museum beherbergt. Die Landschaft genießend ging es auf ruhigen Wegen nach Rhinow und Strohdehne. Kurz darauf war Sachsen-Anhalt erreicht und die Insel- und Domstadt Havelberg war nur noch ca. 13 km entfernt. Hier machte ich kehrt und radelte über den Havelradweg zurück nach Rathenow. Diese Strecke ist zwar kürzer, jedoch führt der Weg Sie mehr auf Straßen entlang. Doch die Planungen für einen weiteren Bau des Radweges haben bereits begonnen.

8. Tag: Rathenow – Berlin-Spandau (ca. 90 km)
Nach einem guten Frühstück startete ich früh in Richtung Bundeshauptstadt. Schon jetzt war es sehr warm und im Laufe des Tages sehnte ich mich immer wieder nach schattigen Alleen, die mich die ersten 15 km umgaben. Vorbei an gelben Rapsfeldern und durch ursprüngliche Dörfern erreichte ich am späten Vormittag Ribbeck.

In diesem Ort dreht sich alles um den legendären Birnbaum, bekannt durch Theodor Fontanes Gedicht "Herr Ribbeck von Ribbeck im Havelland", allerdings ist dieser nicht mehr der Originalbaum. In der Funkstadt Nauen mit der historischen Altstadt und dem Wasserturm suchte ich ein schattiges Plätzchen und machte Mittagsstopp. Weiter ging auf vorwiegend bewaldeten Wegen und Nebenstraßen. In Höhe der Bürgerablage, einer Badestelle an der Havel, erreichte ich wieder Berlin und somit den Havelradweg.

9. Tag: Berlin-Spandau – Berlin-Mitte (ca. 20 km)
Am letzten Tag der Tour hieß das Ziel Brandenburger Tor. Noch schien die Metropole zu schlafen. Durch Wohngebiete und Gartenkolonien fuhr ich auf Fahrradwegen und –straßen immer entlang des Hohenzollernkanal. Getöse machten dann die landenden Flugzeuge zum noch immer geöffneten Flughafen Berlin-Tegel, die direkt über mich flogen. Leichter Regen setzte ein, der leider nicht aufhören wollte. So brach ich kurz vor dem Ziel ab und bog ca. 1,5 km vorher zum Hauptbahnhof ab. Nach 600 km auf dem Fahrrad setzte ich mich in den vollbesetzten Zug nach Hause und schwelgte in Erinnerungen an die sehr gut ausgeschilderten Radwege, die kleinen Orte und der Stille sowie den scheinbar nie endenden Seen.

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