Anke Herrmann unterwegs für Sie:
Im November im Harz
Oft fragen unsere Gäste nach der besten Reisezeit für eine Wanderung. Die Antwort der Kolleginnen lautet dann meist: Es gibt keine schlechte Jahreszeit und kein schlechtes Wetter, vorausgesetzt, man ist gut vorbereitet und hat die passende Kleidung dabei.
Und so sind Ricarda Mager und ich im November auf den Brocken gefahren – ausgerüstet mit Anorak, Mütze, Schal und heißen Getränken. Der Brocken – mit 1141 m die höchste Erhebung im Norden Deutschlands – hat es in sich: Hier herrschen oft extreme Witterungsbedingung, wie sie in alpinen Lagen 1000 m höher vorkommen. Im Jahresdurchschnitt ist der Brocken der windigste Berg Deutschlands und auch mit über 300 Nebeltagen ist der Brocken Spitzenreiter.
Glücksgefühle auf dem Brocken
Bergauf ging es mit der Harzer Schmalspurbahn, die 140 km Streckennetz zu großen Teilen mit Dampfzügen im Linienverkehr betreibt. Die erste Fahrt auf den Brocken fand am ersten Weihnachtsfeiertag 1899 statt.
Diese knapp zweistündige Fahrt war erlebnisreich und atemberaubend. Erste Fotos am Lokschuppen in Wernigerode, Stopp zum Wassernehmen am Bahnhof Drei Annen Hohne und dann vorbei am „Schierker Feuerstein“ – alles im feinsten Schmuddelwetter. Aber darauf waren wir ja vorbereitet. Kurz hinter Schierke wurde es immer heller.
Ein Highlight während der Fahrt: ein kleines Gastspiel der Hauptdarsteller von Faust ‚n‘ Roll, einer mitreißenden Rockoper, welche Goethes Faust neu interpretiert und zur Zeit auf dem Brocken gastiert.
Und es wurde noch besser: plötzlich blauer Himmel. Unbeschreibliche Glücksgefühle. In der Ferne ragte der Wurmberg aus dem Wolkenmeer. Wir konnten gar nicht anders als Reinhard Meys „Über den Wolken“ zu summen.
Unser Zug schraubte sich dampfend den Berg hinauf und die durch Wind, Wetter und Borkenkäfer geprägte Landschaft zog an uns vorbei. Das war so schön, dass man kaum Worte dafür finden kann. Oben auf dem Brocken fühlten wir uns ein wenig wie der „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich, auch wenn wir beim Wandern ein wenig geschummelt haben. Na, dann wenigstens eine Runde um den Brocken drehen und immer wieder tolle Aussichten genießen. Noch schnell das obligatorische Brockenfoto gemacht, bevor es in das äußerst sehenswerte Brockenmuseum mit Exponaten zur Natur, den Brockenhexen und der innerdeutschen Geschichte ging.
Auf der Aussichtsterrasse war der Zauber vorbei. Dichter Nebel war aufgezogen und selbst die Nachbargebäude waren kaum zu erkennen.
... auf dem Weg auf den Brocken durch die buntgefärbte Landschaft.
Auf dem Brocken: strahlender Sonnenschein und blauer Himmel - im November!
Mein Fazit zum Harz im November:
Wandern im Harz – ein Erlebnis für alle Jahreszeiten
Der Harz zeigt im November eindrucksvoll, was ihn zu einer echten Ganz-Jahres-Destination macht: raue Winde, mystischer Nebel, überraschend klare Höhenblicke und eine Natur, die bei jedem Wetter ihren eigenen Zauber entfaltet. Wer gut ausgerüstet ist und sich auf die Launen des Mittelgebirges einlässt, erlebt Momente, die bleiben – sei es die Fahrt mit der dampfenden Schmalspurbahn, der überwältigende Blick über das Wolkenmeer am Brocken oder die stillen Wege zurück ins Tal. Der Wechsel zwischen rau und freundlich, zwischen Nebel und strahlendem Himmel, macht jede Tour einzigartig. Ob Frühlingserwachen, Sommerlicht, Herbstfarben oder winterliche Stille: Der Harz belohnt seine Gäste immer. Und genau darin liegt seine besondere Magie – Wandern im Harz ist nicht an eine Jahreszeit gebunden, sondern zu jeder Zeit ein kleines Abenteuer.
